Informationen und Fakten über Lamas - ein kleines Lamakunde - Lexikon: Wolle

Wolle: Preisgestaltung

Preisgestaltung ist eine schwierige Sache für den Lama- bzw. Alpakahalter und -züchter. Die Tiere sind einem vertraut und die Faser ist IMMER wertvoller als das Geld, das man für sie erhält.

Aber wir leben in einer Marktwirtschaft. Es gilt auch der Grundsatz: Eine Ware ist immer so viel wert, wie jemand bereit ist, dafür zu zahlen. Das muß natürlich nicht dem tatsächlichen Wert entsprechen. Aber ich möchte gern einmal erklären, welche Schritte notwendig sind, um ein Garn oder Kardenband vom Lama bzw. Alpaka zu erhalten.

  1. Alpakas werden einmal pro Jahr geschoren. Viele Lamas auch, aber bei einigen Lamas (siehe Punkt 7) findet die Schur nur aller 2-3 Jahre statt, weil die Faser eben so lange braucht, bis sie nachgewachsen ist. Das Tier wird ein Jahr lang versorgt. Das heißt: Heu, Mineralfutter (teuer), Wasser, Einstreu, Impfungen, Entwurmungen, medizinische Versorgung, tägliches Ausmisten und Versorgen und Kontrolle, Nägel schneiden, Training, ..... - alles viel Zeit und viel Geld, und manchmal auch viel Nerven. Das heißt auch: Arbeit jeden Tag - auch Wochenende, auch, wenn das Wetter überhaupt nicht einlädt, nach draußen zu gehen und auch bei Krankheit, wenn wir uns lieber auskurieren und im Bett bleiben möchten. Wir müssen trotzdem raus.
  2. Schur: entweder man bezahlt einen Scherer (das kostet so ca. 20-30 € netto pro Tier bei Neuweltkameliden) oder man schert selbst - was oft länger dauert, aber für uns Züchter natürlich preiswerter ist. Bei Lamas finde ich es stressfreier für die Tiere. Bei der eigenen Arbeit fällt nicht nur die Zeit an, sondern auch das Schleifen der Scheren, die Scheren selbst oder eben die Schermaschine.
  3. Während der Schur muß sofort eingeteilt werden in 1., 2. und 3. Qualität. Das ist kein Problem für den geübten Scherer.
  4. Sortieren und Vorbereiten der Faser: wenn man Pech hat (z.B. die 1. Schur bei einem Tier), dann steht man stundenlang (wirklich mehrere Stunden!) vor dem Sortiertisch und klaubt die einzelnen Heu- und Strohreste heraus, um später wirklich das Optimum aus der Faser herauszuholen, was die Qualtität angeht. Diesen Punkt kann man nur weglassen, wenn man die Faser als Rohfaser/Rohvlies verkauft und den Kunden diesen Schritt selbst machen läßt. Nur: ich persönlich werde in meinem Züchterherz gekränkt, ein solches Vlies zu verkaufen.
  5. Spätestens bei Punkt 4 hat man sich entschieden, welchem Zweck die Faser dienen soll. Wenn man es nicht selbst wäscht, kardiert und verspinnt, schickt man es an eine Wollmühle. Für eine wirkliche Qualitätsfaser sollte die Wollmühle einen Faserseparator haben. Dieser kann die Grannenhaare, die auch die feinste Alpakafaser hat, auch noch heraussortieren. Bei Classic-Lamavliesen kann man dies manuell in Punkt 4 erledigen - aber auch nur bei diesen speziellen Vliesen. Alle anderen benötigen den Separator, da die Arbeit ansonsten kaum manuell durchführbar ist. Es gibt derzeitig nur sehr wenige Betriebe, die den Faserseparator besitzen (meist nur die Minimills mit den Belfast-Maschinen aus Kanada). Die Wartezeit liegt bei mehreren Monaten bis 2 Jahren! Wollmühlen nehmen für den Schritt von Waschen, Sortieren und Kardieren zwischen 25 und 35 €/kg. Preiswertere Kardiermühlen haben keinen Faserseparator. Das Ergebnis ist schlechtere Qualität, aber "naturgetreuer". Bei Garn werden üblicherweise derzeitig ca. 50-60 €/kg angesetzt.
  6. Jetzt kann man sich ausrechnen:
    für Kardenband:
    1 Jahr Versorgung + Schur + ca. 40 € Kardieren + Porto + 19% MwSt. = ??? / kg
    für Garn:
    1 Jahr Versorgung + Schur + ca. 70 € Verspinnen + Porto + 19% MwSt. = ??? / kg
  7. Noch ein Zusatz zur Menge der Faser eines einzelnen Tieres: beim Alpaka schwanken die Werte zwischen 1 und 5 kg. Das ist nur bedingt richtig: ein gutes Alpaka in Deutschland bringt pro Jahr ca. 0,7-2 kg Qualität 1 (für Garn geeignet), dann noch ca. 1-2,5 kg in Qualität 2 (bspw. für Filzen) und der Rest ist Qualität 3, Schmutz oder "Wegwerffaser".
    Beim Lama sieht es ein wenig anders aus: stärker bewollte Lamas schert man jedes Jahr, aber Classic-Lamas (leicht bewollte Tiere) werden üblicherweise nur aller 2-3 Jahre geschoren, da die Faser so lange zum Nachwachsen braucht. Es kommen meist nur ca. 400-700 g feinste Fasern durchsetzt von groben Grannenhaaren heraus. Die Grannen kann man bei diesem Vlies manuell entfernen - sie sind aber auch schwerer als die Unterfaser (20-35% der Gesamtmenge). Je nach Tier bleibt ein Traum in feinem, aber kurzem Untervlies zurück. Wenig Faser, viel Zeit zum Wachsen und Sortieren - wie berechnet man da den Preis? Bei mir ist Lamafaser teurer. Dies hat seinen Grund. Und ich verkaufe nur die beste Lamafaser, da ich nur Qualität 1 weiterverarbeite für meine Kunden.
  8. Die Versorgung eines Alpakas kostet pro Jahr allein vom Minimum her über 350 €: das wären Heu, Mineralfutter und die grundlegende medizinische Versorgung. Beim Lama ist es etwas mehr das Heu betreffend. Das ist aber nur der Wert, wenn man Weidefläche, Wasser, Strom, Schur, Nägel, Versorgung, Kontrolle, Registrierung, Meldung, Zuchtkosten, etc. nicht einberechnet. Natürlich auch nicht den Anschaffungswert des Tieres. Und schon gar nicht die Zeit, die man mit dem Tier ver- und dafür aufbringt. Natürlich machen wir es gern, aber wenn ich es nur zum Spaß machen würde, könnten Sie weder Garn noch Kardenband bei mir kaufen - ich würde es selbst behalten.

Ich hoffe, Sie verstehen, wie die Preise zustande kommen. Wenn man für kardierte Lama- und Alpakafaser weniger als 5-6 € / 100 g (für Alpakagarn weniger als 14 € / 100 g und für Lamagarn weniger als 18 € / 100 g) bezahlt, möchte ich gern wissen, wie die Tiere gehalten werden. Bei unter 5,50 € / 100 g kardierter und sortierter Faser bei uns zahlt der Besitzer drauf und macht Verluste. Natürlich gibt es Lama- und Alpakahalter, die überhaupt nicht an der Faser interessiert sind und diese für Billigstpreise einfach abgeben. Gut für diejenigen, die sie bekommen. Es freut mich für sie. Aber diese Preisgestaltung ist für Menschen, die sich hauptberuflich den Tieren verschrieben haben, nicht tragbar, weil sie sich einfach nicht rechnet, ohne selbst draufzuzahlen. Jeder möchte gern Fasern von artgerecht gehaltenen Tieren haben - dieses ist nunmal mit einem gewissen Preis anzusetzen. Zumindest die Schur, das Porto, das Kardieren und die Mehrwertsteuer sollten durch den Verbraucher dann auch wieder in den Betrieb zurückfließen für die Versorgung im nächsten Jahr. Auch ich schätze preiswerte Ware, das möchte ich gar nicht bestreiten. Aber nicht um jeden Preis und definitiv nicht um den Preis der schlechteren Versorgung oder Haltung der Tiere. Wir sollten uns alle einprägen, daß für Qualität nun einmal mehr gezahlt werden muß. Ein reines Gewissen ist auf jeden Fall unbezahlbar ..... Meiner Meinung nach sind die Faserpreise sowieso schon auf dem niedrigsten Niveau. Aber die Nachfrage bestimmt nun mal den Preis. Und ich verstehe Menschen, die woanders billiger einkaufen. Nur frage ich mich, wie die anderen sich die Unterbietung der eigentlichen Kosten leisten können .....

Anita Selig-Smith - Zadik-Lamas 2014, Disclaimer

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